von routlens

Thomas Lutgen, Industriearchäologe, lässt die Vergangenheit der Rout Lëns-Siedlung wieder aufleben

Bald wird aus den verlassenen Gebäuden des ehemaligen Stahlwerks im Südwesten von Esch-sur-Alzette ein nachhaltiges, innovatives und zukunftsfähiges Stadtviertel entstehen, in dem es sich gut leben lässt.

Die Geschichte dieses einzigartigen Ortes, der zum Wohlstand des Großherzogtums Luxemburg beigetragen hat, soll jedoch nicht vergessen werden. Im Gedenken an die Tausenden von Arbeitern, die hier tätig waren, ist es wichtig, diese reiche Vergangenheit weiterhin zu verstehen und zu ehren.

Deshalb nehmen wir Sie mit auf einen Rundgang mit dem Industriearchäologen Thomas Lutgen.

Die Arbeit des Industriearchäologen

Wie uns Herr Lutgen erinnert, besteht die Aufgabe des Industriearchäologen darin, die Geschichte des Standorts und die verschiedenen Phasen seiner Entwicklung nachzuvollziehen. Durch den Vergleich mit anderen ähnlichen Stahlstandorten kann er auch die Besonderheiten herausarbeiten und das Werk in die damalige Zeit einordnen.

Um seine Arbeit ordentlich auszuführen, untersucht der Industriearchäologe jedes Gebäude anhand mehrerer Quellen. Er analysiert Archive wie Pläne, schriftliche Dokumente und Fotos. Parallel dazu betrachtet er vor Ort die verbliebenen Gebäude und Maschinen.

Wenn man sich die noch vorhandenen Baumaterialien und Werkzeuge ansieht, werden die verschiedenen Phasen der Entwicklung der Stätte deutlich. Nach und nach können die Baudaten für die Industriegebäude validiert werden.

Von Ziegelsteinen können wir zum Beispiel eine Menge erfahren!

Auf den Fotos und auf der Website selbst fällt auf, dass sich die Größe der Ziegelsteine und ihre Farben von Gebäude zu Gebäude unterscheiden. Bei genauerem Hinsehen erkennt man auch, dass die verwendeten Mörtel und die Mauertechniken variieren.

All diese Angaben ermöglichen es dem Industriearchäologen, die Bauwerke genau zu datieren.

Betrachten wir die Gießhalle 

An der Fassade der Gießhalle, die zu den Hochöfen gehörte, kann man die Spuren von drei Öffnungen erkennen. Es ist deutlich zu erkennen, dass es sich um ehemalige Fenster handelt, die beim Bau des Gebäudes für das TT-Lager zugemauert wurden.

Dort sind 2 sehr unterschiedliche Arten von Ziegelsteinen zu erkennen. Die ersten, die den Großteil der Fassade bedecken, sind klein. Sie wurden offensichtlich individuell hergestellt. Man schätzt, dass sie aus dem Jahr 1870 stammen. Die zweiten Ziegel sind größer und genormt. Diese wurden zum Verschließen der Fenster verwendet. Sie stammen aus den Jahren 1900-1904. Die Betrachtung dieser Ziegel und ihre Position zeigen, dass die Gießhalle eines der ältesten Gebäude auf dem Gelände ist.

Die Schalttafeln der Turbinenhalle

Neben der Betrachtung der Materialien führt uns Herr Lutgen in das Kraftwerk, das an die Turbinenhalle angrenzt. An dieser Stelle, in der „Brauerei Schmelz“, fand eine der ersten Elektrifizierungen des Landes statt.

In der Stadt wurden die ersten Stromkabel nämlich erst später, um 1900, verlegt. Auf dem Industriegelände in Esch wurde bereits Strom erzeugt und verbraucht, da auf dem damaligen Schild „Gleichstrom 120 Volt“ zu lesen ist. Zum Vergleich: Das 1910 gebaute Belval-Werk wurde dagegen mit Wechselstrom betrieben.

Rout Lëns: ein moderner Industriestandort

Aufgrund dieser Beobachtungen und insbesondere der Spuren der frühen Existenz von Elektrizität betrachtet Herr Lutgen Rout Lëns als einen für die damalige Zeit sehr modernen Industriestandort.

Er fügt hinzu: “Das Großherzogtum Luxemburg hat sich mit der Industrialisierung, die hier stattfand, grundlegend verändert. Hier sind deutlich die ersten Arbeiten zur Elektrifizierung des Landes zu erkennen. Die tiefgreifenden Veränderungen und Entwicklungen, die Luxemburg in dieser Zeit durchmachte, sind hier sichtbar und greifbar.“

Heute wird ein neues Kapitel dieses geschichtsträchtigen Ortes geschrieben. Unser Wunsch ist es nicht, die Vergangenheit zu vergessen, sondern über sie hinauszuwachsen.

 

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